Fitnesstraining bei Kinder und Jugendlichen – ja oder nein?

Wir behandeln in unserer Praxis Patienten aller Altersklassen mit unterschiedlichsten Beschwerden. Je nach Behandlungsplan kommen sie in den Genuss eines gezielten Krafttrainings. Immer häufiger ist das auch bei Kinder und Jugendlichen der Fall. Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Probleme mit ihrem Körpergefühl haben und deshalb von einem geführten Krafttraining profitieren würden.

Aus diesem Grund haben wir das Projekt «Einführung ins Krafttraining für Kinder und Jugendliche» ins Leben gerufen. Wenige Tage später war in der Sonntagszeitung zu lesen, dass Jugendliche mit übermässigem Fitnesstraining in die Magersucht rutschen können. Wir als physiotherapeutische Praxis möchten mit diesem Beitrag allfällige Bedenken gegenüber geführtem Krafttraining bei Jugendlichen aus dem Weg räumen.

Wachstum in Schüben

Bei uns trainieren vorwiegend Jugendliche, die Mitglied in einem Sportclub sind und daher bereits regelmässig trainieren. Dass diese jungen Sportler zusätzlich noch ein bis zwei Mal pro Woche in die Therapie müssen, ist eine Zusatzbelastung, die nicht in jedem Fall unbedenklich ist. In solchen Fällen  legen wir daher viel Wert darauf, unseren jungen Patienten und den Eltern klar zu machen, dass eine Pause im Sport sinnvoll ist.

Knaben und Mädchen sind in jungen Jahren oftmals «schlaksig» und haben dünne Arme und Beine. Das hängt aber nicht in erster Linie damit zusammen, dass sie zu wenig essen oder zu viel Sport machen. Das Wachstum der Jugendlichen geschieht in Schüben. Der Körper verbaut dabei die Nährstoffe ins Skelett, um die genetisch vorgegebene Länge zu erreichen. Erst später werden die Nährstoffe in den Muskelzuwachs investiert.

Frühes Training mit Zusatzgewicht kann gefährlich sein

Wissenschaftlich ist bestätigt, dass es erst gegen Ende der Pubertät möglich ist, mit gezieltem Training Muskelmasse aufzubauen. Am Anfang der Pubertät fehlen den Jugendlichen – Jungen und Mädchen – die dafür notwendigen Hormone. Zudem ist es auch gefährlich, den noch nicht ausgewachsenen Körper mit übermässigem Zusatzgewicht zu belasten. Die noch eher weichen Knochen werden sich in die Richtung der Belastung biegen. Bei häufiger Wiederholung kann sich daraus eine dauerhafte Verkrümmung bilden.

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle im Wachstum und beim Aufbau der Muskelmasse. Hier gilt es zu beachten, dass Physiotherapeuten ohne entsprechende Weiterbildung keine Experten auf dem Gebiet der Ernährung sind. Wir sind jedoch der Meinung, dass auch die Ernährung eine wichtige Rolle spielt und haben darum in unserem Team Therapeuten, die sich auf dem Gebiet der Ernährung weitergebildet haben und daher bei Bedarf spezifische Ernährungsberatungen anbieten. Ziel dabei ist es, eine ausgewogene Ernährung im Zusammenspiel mit dem Training zu erreichen.

Nur unter Aufsicht eines Trainers oder Therapeuten

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Krafttraining bei Kinder und Jugendlichen unter Aufsicht eines fachkundigen Trainers oder Therapeuten kaum Risiken birgt. Die Übungen und die Gewichte müssen jedoch zwingend dem Alter angepasst werden. Als Faustregel gilt hier: Ab dem 16. Lebensjahr darf man mit Zusatzgewichten und an Maschinen trainieren. Wichtig ist auch, dass die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder regelmässig ausgewogen und genügend essen, wenn sie viel Sport treiben. Zwischendurch darf es auch gerne etwas Süsses sein.

12. Februar 2019